Klein, krumm, wohlschmeckend – Die kanarische Banane (platanos)

Die kanarische Banane Die kanarische Banane

Bananen auf La Gomera

Auf der ganzen Welt gibt es circa 100 essbare Bananenarten. Die Sorte die u.a. auf La Gomera angebaut wird heißt Ladyfinger/Babybanane. Sie ist wesentlich kleiner als die Bananen die man in Deutschland kaufen kann, schmeckt auf Grund des geringeren Wassergehaltes aber viel besser.

Ich kann nur jedem empfehlen sich auf einem der Märkte oder in einem der Supermercados ein paar von den köstlichen Früchten zu kaufen, ihr Geschmack ist sehr aromatisch und süßlich.

Hermigua – Das Bananenparadies

Auf La Gomera werden in den sonnigen und wasserreichen Gebieten fast überall Bananen angebaut, das größte Bananenanbaugebiet liegt in Hermigua. Die Bananenstauden kann man hier mehrere Meter lang vom oberen- bis ins untere Tal bestaunen. Dank des ganzjährigen Wasservorkommens durch den Rio EL Cedro werden hier neben Bananen noch Weinreben, Papayas und Avocados angebaut.

Am Strand von Hermigua sieht man noch heute vier Betonpfeiler der El Pescante aus dem Wasser ragen, es sind die Überbleibsel der ehemaligen Bananenverladestation. Die Ware wurde damals via Kran auf die Schiffe geladen, da selbige wegen der starken Brandung nicht anlegen konnten.

Historie

Im 16 Jh. brachten portugiesische Seefahrer die Banane nach La Gomera, erste größere Anbauversuche begannen aber erst Anfang 1900. In den 30er Jahren schuf man mit dem Bau von Tiefbrunnen die Voraussetzungen die Früchte auf großen Bananenplantagen anbauen zu können. Von Vorteil erwies sich die Tatsache, dass man sich für eine klimatisch anspruchslose Bananensorte entschied, die Staude wird nur zwei Meter hoch und konnte sich so den klimatischen Bedingungen auf La Gomera besser anpassen.

Es wurden Verladestationen gebaut und die gesamte Region erfuhr einen unheimlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Die damals erbauten Herrenhäuser kann man sich teilweise noch heute an verschiedenen Stellen auf der Insel anschauen. (San Sebastian, Hermigua, Agulo, Vallehermoso). Innerhalb kürzester Zeit mauserte sich die Frucht zu dem Exportschlager Gomeras, wobei Frankreich und England die Hauptabnehmer waren. Weit über 50 % der Bananen wurden damals ins Ausland exportiert.

Als die Briten und Franzosen damit begannen die Bananen in ihren Kolonien in Mittelamerika zu beziehen und das auch noch wesentlich billiger, war es um die kanarische Banane geschehen, da halfen auch die Investitionen der Reederei Olsen nicht mehr. Der Spanische Bürgerkrieg und der zweite Weltkrieg sorgten für weitere Umsatzeinbußen und so spielt seit den 50er Jahren die kanarische Banane auf dem Europäischen Markt keine große Rolle mehr.

Die Bananen die heute in Südamerika produziert werden sind einfach wesentlich billiger und die kanarischen Bananen werden immer noch von der EU mit dreistelligen Millionenbeträgen subventioniert und durch Schutzzölle am Leben erhalten, Hauptabnehmer ist das spanische Festland. Vereinzelte Versuche die Zwergbananen in Deutschland zu etablieren sollten man an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen.

Wie geht es weiter mit der kanarischen Banane?

Das ist eine gute Frage. Die Produktionskosten sind im Vergleich zu den Mitkonkurrenten aus Südamerika fast doppelt so hoch, die Bananenplantagen verbrauchen vor allem in den Sommermonaten Unmengen an (knappem) Wasser und die Böden laugen durch den Anbau sehr aus. Der zunehmende Einsatz von Chemikalien ist aus ökologischer Sicht ebenfalls sehr bedenklich.

In der Bananenproduktion arbeiten auf den Kanarischen Inseln etwa 11500 Menschen, die Arbeitsplätze würden bei der Einstellung der Subventionen von heute auf morgen wegfallen. Da Bananen das ganze Jahr über geerntet werden können gab es in der Vergangenheit immer wieder Überproduktionen die vernichtet werden mussten.

Die kanarische Banane wird wohl auf La Gomera keinen Bestand haben, die existierenden Anbauflächen werden wahrscheinlich zu Bauland umfunktioniert und wo einst die grünen Stauden standen, werden sehr bald Ferienwohnungen aus dem Boden sprießen.

Hier noch ein interessanter Videobeitrag über die kanarische Banane: